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Wolfgang Welt: Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe

Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe

Daniel Berger liest Wolfgang Welt

Der Düsseldorfer Schauspieler Daniel Berger wird Wolfgang Welt an diesem Abend eine Stimme geben. Sein behutsamer und treffender Ton, bringt die Texte von Welt kongenial zum Schwingen und liefert den Sound zu einer Zeit, die auch für Daniel Berger in Bochum stattfand. Hier hat er in den spätern 1980er Jahren seine Schauspielausbildung an der Westfälischen Schauspielschule absolviert. In einer Zeit also, in der das Schreiben von Wolfgang Welt bereits Fahrt aufgenommen hatte.

[Wolfgang Welt lesen ist wie zehn Runden „Raupe“ fahren ohne anzuhalten.]

Ich nahm also den letzten Zug nach Bochum-Langendreer und sank glücklich, auch ohne Hasch, in mein Bett. Am nächsten Morgen stand ich pünktlich auf und schoss zwei astreine Tore. So verbanden sich damals zwei Bereiche in meiner Brust, die noch lange drinbleiben sollten, Fußball und Popmusik. Ich hab danach noch viele Spiele gespielt und manches Konzert erlebt, aber nie war die Synthese in mir so geglückt wie an diesem Wochenende.

„Aber ich schrieb mich verrückt“

Die späten Jahre, da war er schon Suhrkamp Autor, verbrachte Wolfgang Welt im Bochumer Schauspielhaus als Nachtportier. Nur wenige wussten, dass hinter dem seltsamen Typen in der Hausmeisterloge ein grandioser Autor steckte.

Am letzten Tag des Jahres 1952 auf der Wilhelmshöhe, einer Bergarbeitersiedlung in Langendreer geboren, wächst Wolfgang Welt mit den Bezugspunkten Zeche, Fussball und Musik auf. Buddy Holly wird seine Passion. Nach abgebrochenem Studium jobt er in Plattenläden und beginnt in den 1980ern nebenbei, als Musikjournalist zu schreiben. Marabo, Sounds und Musikexpress werden auf ihn aufmerksam und seine hinreißenden Kritiken, voll schnoddriger Stilistik, kompromisslos dem subjektiven Urteilsvermögen entsprechend, werden Kult.

Trotzdem hat er zu wenig Geld, zu wenig Sex und ’schreibt sich verrückt‘. Nach manisch depressiven Zuständen wird in der Klinik eine schizophrene Psychose diagnostiziert. Ungefähr ab da beschließt er aufzuschreiben, was ist. „Ich werde mein ganzes Leben aufschreiben“. In eigenwilliger, markanter Tagebuchprosa erzählt Wolfgang Welt als konsequenter Ich-Erzähler, was ihm zwischen Langendreer, Dortmund und London, zwischen Frühstück und Absacker widerfährt und kreiert seinen eigenen, rastlosen Welt-Sound.

Den Authentizitätsgrad seines ersten Romans beziffert er auf 99 Prozent: „Peggy Sue“. Benannt nach seinem liebsten Buddy-Holly-Song.

Aber erst zehn Jahre und eine Wiederveröffentlichung später, gelangt Wolfgang Welt zu verhaltenem Ruhm und erfährt die Anerkennung, die sein außergewöhnliches, mitreißendes und zutiefst berührendes Parlando verdient.

Als 2006 mit „Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe“ eine Ausgabe seiner bis dato vorliegenden Romane bei Suhrkamp erscheint, wird er vom Feuilleton zum „größten Erzähler des Ruhrgebiets“ gekürt. Wolfgang Welt stellt fest: „Mein Lebensziel ist erreicht. Es kommt nur 20 Jahre zu spät.“ Er stirbt im Juni 2016.

Willi Winkler, Leander Haußmann, Herman Lenz und nicht zuletzt Peter Handke gehörten zu seinen entschiedenen Fürsprechern.

„Im ganzen: eine Version des Lebens, die man sich im Lesen nicht nur gefallen läßt, sondern die einen, schön holprig und schön schnittig, eine Zeitlang mitnimmt, und nicht bloß ins Ruhrgebiet.”
Peter Handke


Mit freundlicher Genehmigung des Suhrkamp Verlag, Berlin, www.suhrkamp.de
Wolfgang Welt, Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe, Suhrkamp Verlag, Berlin


Eintritt: frei | Live-Stream bei Youtube: https://youtu.be/mU-uMhePZYs

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Datum

24.09.2020
Expired!

Uhrzeit

19:30 - 21:00

Preis

frei
Literaturhaus Dortmund

Ort

Literaturhaus Dortmund
Neuer Graben 78, 44139 Dortmund
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