Richard Swartz

Austern in Prag

Richard Swartz’ schwedischer Blick auf die Tschechoslowakei

Richard Swartz ist einer der erfahrensten und profiliertesten Osteuropa-Journalisten. Von 1972 bis 2009 berichtete er für das Svenska Dagbladet; gegenwärtig schreibt er u.a. für Dagens Nyheter. Seine Reportagen zwischen Tirana und Moskau brachten ihn mit einer Fülle Menschen zusammen, die ihm nicht nur politische Informationen vermittelten sondern ihn auch tief in das Alltagsleben in den sozialistischen und post-sozialistischen Ländern Mittel- und Osteuropas zog. Daraus entstanden eine Reihe literarischer und non-fiction Bücher, darunter Roomservice. Geschichten aus Europas nahem Osten (1997), Adressbuch. Geschichten aus dem finsteren Herzen Europas (2005), Blut, Boden & Geld (2017) sowie der Roman Ein Haus in Istrien (2001). Er lebt in Stockholm, Wien Istrien.

Im Literaturhaus Dortmund stellt er sein neuestes Buch Austern in Prag – Leben nach dem Frühling (Zsolnay 2019) vor, das den jungen Austauschstudenten Richard Swartz mit dem schwierigen Leben in der Tschechoslowakei nach dem Prager Frühling von 1968 konfrontiert. Aus den Herausforderungen des surrealen Alltags und den Beziehungen mit Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft entwickelt er den mitfühlenden und gleichzeitig unabhängigen Blick des späteren schwedischen Reporters, der die bedrückende Grenze zwischen Ost und West zu überwinden vermag.

„Swartz beobachtet genau und reflektiert mit einleuchtendem sarkastischen Witz. Er findet scharf geschnittene Bilder für eine prachtvolle Stadt in trübem Zustand. Mit immer neuen, gut ausgewählten Detailbeobachtungen gelingt Swartz ein überzeugendes Gesamtbild.“
Hans-Peter Kunisch, WDR3 Mosaik, 11.03.19

In Zusammenarbeit mit der Fakultät Kulturwissenschaften der Technischen Universität Dortmund

Richard Swartz: Austern in Prag

Austern in Prag

Mit dem Diplom einer Stockholmer Eliteschule in der Hand sucht Richard Swartz Anfang der siebziger Jahre in Osteuropa nach einem Weg, sich dem väterlichen Willen zu entziehen. Ein Prager unter Pragern will er sein, den Alltag mit ihnen teilen. Der Mangel regiert – vom Toilettenpapier bis zur Moral. Anders als viele seiner Generation hält er den Sozialismus nicht für reformierbar. Er trifft auf Gastgeber, die Austernlöffel auslegen, obwohl es seit Jahrzehnten keine Austern gibt in Prag, einer Stadt, von der seine Freundin Jarka behauptet, dass in ihr nur Hunde gut und anständig leben könnten. Richard Swartz erzählt von menschlicher Nähe und großer Zuneigung, aber auch von Not und Lüge in einer Diktatur.

„Richard Swartz versteht es in seinen mit milder Ironie gewürzten Erinnerungen feinfühlig und stilvoll, eine schillernde Perle aus der verschlossenen Auster der Zeitgeschichte zu lösen.“
Oliver vom Hove, Die Presse, 31. 08.19

Richard Swartz, 1945 in Stockholm geboren, war Osteuropa-Korrespondent des Svenska Dagbladet, er lebt abwechselnd in Stockholm, Wien und Sovinjak (Istrien) und schreibt für verschiedene internationale Zeitungen. Bücher: u. a. Room Service. Geschichten aus Europas Nahem Osten (1997), Blut, Boden & Geld (2017) und bei Zsolnay Wiener Flohmarktleben (2015) und Austern in Prag (2019).

„Kunstvoll, mit melancholischem Witz und feiner Selbstironie.“
Franz Haas, Neue Zürcher Zeitung, 03.09.19

Foto © Paul Zsolnay Verlag

Datum

02.Dez.2019

Uhrzeit

19:30 - 21:00
Kategorie