Peter Paul Zahl Gesellschaft

»ein neues, geradezu unerhörtes büchlein«

symposium zum 40. jahrestag der veröffentlichung von peter-paul zahls die glücklichen

mit beiträgen von lutz eisel, tobias lachmann, ralf-dieter lange, jürgen link, kape sachau, hasan sahin, ralf schnell, martin vialon, ppz u. a.

1979 veröffentlicht peter-paul zahl die glücklichen; einen roman, der die erfahrungen der 68er-revolte wie kaum ein zweiter literarisiert. am beispiel der kreuzberger familie hemmers erzählt er schwänke und geschichten rund um die antiautoritäre bewegung, ihre gesellschaftlichen kämpfe, ihre wünsche und träume. diese ‚geschichtsschreibung von unten’ steht in der tradition des schelmenromans und modernisiert sie zugleich. durch intertextualität und intermedialität entsteht ein ‚buntscheckiger’ text, der gedichte, rockmusik und reggae tracks genauso integriert wie ein justizdrama von shakespeare’scher fasson, goethe- und fontane-parodien, eine illustrierte zeitung oder ein spaghetti-rezept zur verköstigung von zweihundert bis dreihundert hungrigen mäulern.

einen roten faden sucht man da vergebens. stattdessen verknüpft der text zahllose narrationen um seine protagonisten, die kollektivfiguren sind und ein maskenspiel betreiben: jörg und ilona verbünden sich in ihrer liebe wie im gemeinsamen kampf gegen bürgerliche und marxistisch-leninistische arbeitsethik, linken dogmatismus, spekulantentum, eine als stadtsanierung verbrämte gentrizifierung und andere zumutungen mit gleichgesinnten, die ebenfalls begriffen haben, dass „revolution nicht nur damit zu tun haben kann, die gesellschaft zu ändern, sondern auch sich selbst zu ändern“. nach so manchem krummen ding, mancher eulenspiegelei, dem ein oder anderen schelmenstreich und einem maskenball auf dem mariannenplatz entschweben sie im fesselballon in die große, weite welt.

vierzig jahre nach seiner veröffentlichung im rotbuch verlag spürt das symposium diesem ‚neuen, geradezu unerhörten büchlein’, seinen entstehungsbedingungen und wirkungen nach. kontexte wie die berliner politdruckerei und die underground-presse spielen dabei eine ebenso wichtige rolle wie der ‚fall zahl’, das schreiben im knast, zahls nazim-hikmet-rezeption, die anarchistische tradition oder das soziale klima einer zeit, die dem buch eine große öffentlichkeit bescherte und zahl den ruf des „rabelais der alten bundesrepublik“ einbrachte. anders gesagt: das symposium begibt sich auf die suche nach der quelle jenes schallenden gelächters der schelme, das jedem trübsinn den kampf ansagt und der leserin im verlachen der herrschenden zustände die souveränität und den gleichmut verleiht, sich den härten des lebens nicht zu beugen.

freitag, 28.06.2019 | 14 bis 17 uhr
literaturhaus dortmund | neuer graben 78 | 44139 dortmund

Datum

28.Jun.2019

Uhrzeit

14:00 - 17:00