Elke Heinemann © Narciss Fekete

Elke Heinemann

Fehlversuche

Kein Kinderbuch

Elke Heinemann

Marillenlikör, Eierlikör und vor allem zu viel Jägermeister trinkt die Mutter der sechsjährigen Elisa Mitte der 1960er Jahre Nacht für Nacht, bevor sie zu einer lautstarken Maria-Callas-Imitation anhebt, während der Vater auf einer scheinbar endlosen Dienstreise das familiäre Drama ignoriert. Das Kind erfindet für sich die Zwillingsschwester Alise und beginnt, in der dritten Person Singular seine „wahre Geschichte“ zu schreiben, die es in der Ich-Form beenden kann, als es kein Kind mehr ist. Sarkasmus und Ironie, sprachliche Verdichtungen und metaphorische Verschiebungen zeichnen die Prosa von „Fehlversuche“ aus: Ein Buch über ein Kind, das explizit kein Kinderbuch ist.

Weitere Infos zum Buch: edition taberna kritika

„… Schonungslos, in messerscharfer Sprache
Mit ihrer schonungslosen, rhythmisch hämmernden, messerscharfen Sprache zerrt die Autorin ihre Leser an den Rand eines Abgrunds. Mit solchen Kratzern auf dem Herzen muss der Weg zu einem glücklichen Leben verrammelt sein wie der Himmel der Hölle. Im Hintergrund läuft immer der Fernseher und versetzt uns ins Ruhrgebiet der spröden 60er-, 70er-Jahre. Während Ilja Richter und Rudi Carell oder manchmal auch Maria Callas die Fernsehzuschauer unterhalten, träumt Elisa von einem besseren Leben.
Joachim Dicks, NDR.de

Moderation: Dr. Frederike Jacob

 

Karten-Vorverkauf: www.eventim-light.com

Elke Heinemann
Literaturpreisträgerin Ruhr 2018

Der Hauptpreis des Literaturpreises Ruhr 2018 ging an die Schriftstellerin Elke Heinemann, die für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet wurde. Die promovierte Literaturwissenschaftlerin wurde in Essen geboren und lebt heute als Autorin und Publizistin in Berlin. In bisher vier Romanen, darunter Fehlversuche. Kein Kinderbuch (2018), sowie in zahlreichen Kolumnen, Essays, Portraits, Monographien und Radio-Features erweist sich Elke Heinemann als hochkarätige literarische Stimme abseits des Mainstreams. Die Jury würdigte mit Elke Heinemann „eine beharrlich widerständige Autorin, die ebenso virtuos wie ironisch gesellschaftliche Klischees, die Kommerzialisierung aller Lebensbereiche und vermeintliche Gewissheiten unserer Gegenwart seziert“.

“Der Begriff Heimat erfährt derzeit eine Renaissance: Man glaubt, wissen zu müssen, woher man kommt, um wissen zu können, wer man ist. Als junge, noch in Essen lebende Leserin hat mich Émile Zolas sozialkritischer Roman Germinal, in dem es um das Elend der Bergarbeiter im Frankreich des 19. Jahrhunderts geht, genauso begeistert wie der im Ruhrgebiet spielende Erzählungenband Täterskizzen von Nicolas Born. Das Ruhrgebiet habe ihn immer wieder eingeholt, hat Born gesagt, die Bilder vom Dreck, der Steinstaub auf den Stimmbändern, er sei unzufrieden geblieben. Auch ich, die Nachgeborene, habe irgendwann angefangen zu schreiben, weil ich unzufrieden war. Vielleicht klebt auch ein wenig Steinstaub auf meinen Stimmbändern. Aber es sind andere Bilder als die vom Dreck, die meine Kindheit im Ruhrgebiet geprägt haben.”
Elke Heinemann

Elke Heinemann lebt als Schriftstellerin und Publizistin in Berlin-Prenzlauer Berg. Sie verfasst Romane, Kurzprosa, Lyrik, Essays, Hörspiele und Radio-Features. Für die FAZ schrieb sie von 2015 bis 2016 die Kolumne E-Lektüren. Sie ist Mitglied im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS).
Elke Heinemann hat Komparatistik und Geschichte studiert, sie erhielt Studien- und Forschungsstipendien der Studienstiftung des deutschen Volkes und des DAAD in Grenoble und Oxford und promovierte nach dem Abschluss als Magister Artium am Peter-Szondi-Institut der Freien Universität Berlin bei Eberhard Lämmert mit einer Arbeit über den englischen Frühromantiker William Beckford. Sie ist Absolventin der Henri-Nannen-Schule für Journalismus in Hamburg und hat längere Zeit in Paris und London gelebt.

 

Foto © Narciss Fekete

Datum

13.Jun.2019

Uhrzeit

19:30 - 21:00
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