Andreas Rossmann zu Erik Regers „Union der festen Hand“

Wie kein anderer Roman der Zeit veranschaulicht „Union der festen Hand“, wie sich Industriemagnate und Nationalsozialisten aufeinander zubewegen. Rossmann stellt den Roman und seinen Autor vor.

Industrieroman „Union der festen Hand”

Der Industrieroman „Union der festen Hand” ist ein bedeutendes Werk der Neuen Sachlichkeit und eines der wenigen literarischen Porträts des Ruhrgebiets. Zugleich ist es ein großer Schlüsselroman über eine der bekanntesten Industriellendynastien Deutschlands, mit kritischem Witz verfasst von einem intimen Kenner des zynischen Machtgefüges rund um Kohle und Stahl, das erschreckend heutig ist.

1918, der Erste Weltkrieg steht vor dem Ende, gewaltige Umbrüche zeichnen sich für das Ruhrgebiet und die Men- schen dort ab. Sie arbeiten für die Berg- und Stahlwerke, kämpfen gegen schlechte Löhne und Ausbeutung. Als der Kaiser kommt, um sie in ihren Anstrengungen für den Krieg zu bestärken, versucht man die Unruhestifter von ihm fernzuhalten. Doch der hohe Besuch geht gründlich schief, und bald geschieht ein Mord. Für den darin verstrickten Gewerkschafter Adam Griguszies bricht ein wechselvolles Jahrzehnt an: Die Auseinandersetzungen zwischen Arbeitern, Angestellten und einem Geheimbund der Unternehmer, der Union der festen Hand, ebnen den Weg für den Nationalsozialismus.

Am 16. August 2022, bringt der Verlag Schöffling & Co., Frankfurt, den Roman „Union der festen Hand“ (1931) von Erik Reger in einer Neuauflage heraus. Dieser „Roman einer Entwicklung“ wurde gleich nach seinem Erscheinen von (dem alleinigen Juror) Carl Zuckmayer mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet, zwei Jahre später wurde er von den Nazis verboten, 1946 im Aufbau-Verlag neu herausgegeben. Doch der Autor geriet zwischen die politischen Fronten, da er sich gegen die Zwangsvereinigung von KPD und SPD wandte, und wurde in Ost-Berlin als „Antikommunist“ geschmäht. Und sein Roman, obwohl Wolfgang Harich sich für ihn stark machte, gleich mit.

In der Bundesrepublik gab es (erst) seit 1967 mehrere Versuche, den Roman wieder aufzulegen, die Interesse flammte kurz auf, doch lange gehalten hat es nicht. Dabei ist die literaturwissenschaftliche Beschäftigung vergleichsweise intensiv und die Einschätzung, dass es sich um den bedeutendsten Ruhrgebietsroman der ersten Jahrhunderthälfte handelt, ganz unbestritten. Doch 600 Seiten stark, fakten- und detailreich, ist der Tatsachen- und Schlüsselroman keine leichte, gar süffige Lektüre. Nichts für Elke Heidenreich oder Denis Scheck.

Schon deswegen kommt der Roman für eine Vorstellung / Lesung nicht so ohne weiteres in Frage, und ich verstehe jeden Veranstalter, dem er für eine Lesung zu sperrig und schwergewichtig ist. Dagegen steht die literarische Bedeutung, nicht nur, aber vor allem für das kulturell vermeintlich provinzielle Ruhrgebiet, sowie eine schwache, schief gelaufene, auch politisch sanktionierte Rezeption, die längst einer Korrektur bedarf.

Andreas Rossmann stellt den Roman und seinen Autor vor. Er ordnet Regers Hauptwerk (literar)historisch ein und liest vor allem aus dem Buch.

Datum

13. Okt 2022

Uhrzeit

19:30

Preis

Eintritt frei
literaturhaus.dortmund

Ort

literaturhaus.dortmund
Neuer Graben 78, 44139 Dortmund
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