Bastian Schneider und Christoph Wenzel

Lesung und Gespräch

Moderation: Arnold Maxwill

Flüchtig, anmutig und dezent.

Bastian Schneiders Texte bewegen sich zwischen Kurzprosa und Langgedicht, auch zwischen Aphorismus und Denkbild. Die genaue begriffliche Zuweisung ist absolut zweitrangig. Die meist kurzen Miniaturen lauschen den ephemeren Momenten des städtischen Alltags, laden nicht selten in eine Schule der Wahrnehmung ein. Oft bleiben sie dabei schwebend, aber auch latent störrisch, wahren Mitte, Form und Maß. Ihre Bewegung gleicht einerseits stockendem Staunen, zugleich – nicht ganz ungefährlich – Schlaufen und Kippbildern, in denen plötzlich das Vertraute verwirrend fremd wird. Kleine Details können Anlass zu viel größeren Fragen sein, die Bezeichnung der Dinge Anlass zum Innehalten, zum Spinnen im besten Sinne. Ein Stolpern auch über ungewohnte Korrespondenzen, über Assonanzen, Auslassungen, wechselnde Rhythmen. Bastian Schneiders Texte werden so zu Fundstücken, zu einem Zauberwürfel, bei dem ausschließlich die Umwege und vielen Variationen interessieren. Eine Poesie der (vermeintlichen) Unscheinbarkeiten. Eine Einladung zur Lektüre stiller Oberflächen, zu Entdeckungen unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle. Ein poetischer Katalog der Möglichkeiten blättert sich so auf.

Mit einer genau abgewogenen Menge lakonischer Ironie und leichter Distanz geht es auf ins Hinterland, in die absoluten Peripherien, die postindustriellen Zwischenzonen.

Christoph Wenzel besucht dabei nicht nur unwirtliche Randgebiete, sondern erarbeitet in seinen jüngeren Gedichten sehr klangbewusst eine neue Form der Heimatkunde: eine poetische Erkundung der Provinz, ihrer Haltungsschäden. Dabei geht es ihm nicht nur um die jeweiligen Herkunfts- und Erinnerungsräume; im Fokus steht immer auch ein sehr bewusstes Spüren und Nachspuren der damit verbundenen Sprachlandschaft. Die westfälische Schwere und Kargheit, die vielfach gebrochenen Gegenden im rheinischen Braunkohlerevier: das alles findet auch immer seine Ablagerung in den Körpern, Floskeln, Gesten. Christoph Wenzel reagiert auf kleinste Silben, Partikel, Dialekte, Klangmuster, bringt die Langeweile der Landjugend mit Kirchenabbruch und Monokultur zusammen, plündert Wörterbücher, wühlt Zettelkästen durch. Der Autor wird Forscher, bastelt sich sein Sound-Inventar. Die Verse bauen Assoziationsräume auf, die Gedichte gestalten durch geschickte metaphorische Verknüpfung alltägliche Szenerien, gönnen sich aber keine große Wehmut oder Nostalgie.

Bastian Schneider, 1981 in Siegen geboren, Studium der Psychologie sowie der deutschen und französischen Literatur in Marburg und Paris, Studium der Sprachkunst in Wien. Er lebt in Köln und Wien. Für seine Arbeiten erhielt er zahlr. Auszeichnungen: Wiener Literaturstipendium, Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW, Dieter-Wellershoff-Stipendium, Dresdner Lyrikpreis, Stipendiat des Ateliers Galata in Istanbul, Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium. Nach Vom Winterschlaf der Zugvögel (2016), Irgendwo, jemand (2017), Eine Naht aus Licht und Schwarz (2018), Die Schrift, die Mitte, der Trost. Stadtstücke (2018) erschien jüngst im Sonderzahl Verlag Paris im Titel. Geschichtchen (2020).

Christoph Wenzel, 1979 in Hamm geboren, studierte Germanistik und Anglistik, arbeitet als Autor, Herausgeber, Redakteur und Universitätsangestellter in Aachen. Er ist Mitbegründer der Literaturzeitschrift [SIC] sowie des gleichnamigen Verlags, schreibt Lyrik und Essays, veröffentlicht in zahlr. Zeitschriften und Anthologien. Für seine Gedichte erhielt er div. Stipendien und Preise, u.a. den Dresdner Lyrikpreis, den Alfred-Gruber-Preis beim Lyrikpreis Meran, den GWK-Förderpreis, das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium. Bislang erschienen die Bände zeit aus der karte (2005), tagebrüche (2010), weg vom fenster (2012), zuletzt in der Edition Korrespondenzen lidschluss (2015).

Eintritt frei | Aber Registrierung/Ticket notwendig
Es gilt die 2G-Regelung. Zutritt nur für Genesene und Geimpfte. Einlass nur mit entsprechendem Nachweis.
Denken Sie bitte an Ihren Personalausweis sowie eine FFP2-Maske.

Datum

16. Dez 2021

Uhrzeit

19:30

Mehr Informationen

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literaturhaus.dortmund

Ort

literaturhaus.dortmund
Neuer Graben 78, 44139 Dortmund
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