Katharina Mevissen: Ich kann dich hören

Ein junger Mann, dem Augen und Ohren geöffnet werden. Eine Frau, die in der Stille lebt. Es geht um Vater-, Mutter- und Gebärdensprache.

Musikalischer Rahmen: Karl Figueroa, Violoncello

Osman spielt. Er soll es regnen lassen, doch seine Musik lässt sich nicht erweichen. Und daran ist sein Vater nicht allein schuld. Sehr vieles gerät erst in Bewegung, als er hört, was nicht für seine Ohren bestimmt war.

Ein schalldichter Raum. Draußen die Großstadt. Osman Engels übt Cello. Er spielt an gegen unsichtbare Hindernisse, die irgendwo in seiner Vergangenheit liegen und denen er auf dem Fußballfeld besser ausweichen kann. In seiner Welt ersetzt Musik schon lange die Worte. Er kann selbst nicht gut zuhören, nichts festhalten, ohne Kontaktlinsen auch schlecht sehen.

Als er ein zufällig gefundenes Aufnahmegerät abhört, wird er zum Ohrenzeugen einer Beziehung, die auf ganz andere Art laut ist. Seine Mitbewohnerin Luise lernt derweil im Nebenzimmer für ihre Prüfung, manchmal rauchen sie gemeinsam am offenen Fenster, kochen Knoblauchnudeln, bringen Altglas zum Container. Sie verstehen sich, ohne sich richtig anzufassen, denn auch mit der Liebe fangen sie gerade erst an.

Als sein türkischer Vater, ebenfalls Musiker, sich das Handgelenk bricht und Tante Elide, seine Ziehmutter, nach fast zwanzig Jahren in Deutschland plötzlich nach Paris gehen will, ist Osman gezwungen, ein paar Dinge aufzuräumen, ein paar Fragen zu stellen.

Der Roman erzählt von einem jungen Mann, dem Augen und Ohren geöffnet werden, und von einer Frau, die in der Stille lebt. Es geht um Vater-, Mutter- und Gebärdensprache und um die berührende Kraft von Musik. Ungewöhnliche Themen, eindringliche Bilder. Ein großes Talent.

Katharina Mevissen, geboren 1991, studierte Kulturwissen­schaft und Transnationale Literatur­wissenschaft und lebt heute als Autorin in Berlin. Ihr Romandebüt „Ich kann dich hören“ wurde vom Westdeutschen Rundfunk als Hörspiel adaptiert. Sie ist Mitherausgeberin der Publikation „Gesammeltes Schweigen“ in der Edition Zweifel. Aktuell forscht sie an der Freien Universität Berlin zu Mündlichkeit und Literatur. 2019 wurde sie mit dem Kranichsteiner Literatur­förderpreis ausgezeichnet. 
Ihr zweiter Roman „Mutters Stimmbruch“ erscheint im Frühjahr 2023 im Verlag Klaus Wagenbach.

Karl Figueroa (Foto: Fritz Klein)

Karl Figueroa, geb. 1998 in Concepción (Chile) zeichnet besonders seine Vielseitigkeit im künstlerischen Schaffen aus. So bewegt sich sein Repertoire vom Barock bis hin zur lateinamerikanischer Folklore und Jazzimprovisation. Seit 2016 studiert er in der Klasse von Prof. Matias Oliveira Pinto an der Musikhochschule Münster. Zusätzliche Anregungen erhielt der junge Cellist unter anderem von Professoren, wie Karine Georgian, Daniel Müller-Schott, Arthur Hornig, Marcio Carneiro, Thomas Lange und im Rahmen des Meisterkurses „Music Concilium“ Wien. Zwischen 2009 und 2016 erspielte sich Figueroa regelmäßig erste Preise beim nationalen Wettbewerb „Junge Talente“ in Chile. Im Sommer 2021 ging er als 1. Preisträger beim „International Primuz Strings Competition“ in Polen hervor. Zudem konnte der junge Cellist beim hochschulinternen Wettbewerb „WDR CampusKonzerte“ den ersten Preis erzielen.

Veranstalter: literaturhaus.dortmund, Celloherbst am Hellweg

Datum

08. Dez 2022

Uhrzeit

19:30

Preis

Eintritt frei

Mehr Informationen

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literaturhaus.dortmund

Ort

literaturhaus.dortmund
Neuer Graben 78, 44139 Dortmund
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