3 Lyrikdebüts – Warum Gedichte?

Unsere aktuelle Stadtbeschreiberin Clara Cosima Wolff gestaltet drei Abende hier im Literaturhaus und lädt Gäste zu Lesungen und Gesprächen ein. Der zweite Abend nimmt junge, zeitgenössische Lyrik in den Fokus.

Im kookbooks Verlag ist Jahr der Debüts! Die drei Lyrikerinnen Nea Schmidt, Liv Thastum und Clara Cosima Wolff stellen ihre frisch in diesem Jahr erschienenen Gedichtbände vor und sprechen gemeinsam über ihr Schreiben.

Clara Cosima Wolffs Debüt handreichung bewegt sich in Spannweiten und Spielarten des Erinnerns und Vergessens. Dabei geht es um weiblich sozialisiertes Erlernen und Erinnern von Furcht, sowie um Care-Arbeit und Demenz. Mit Klangfrische und phonetischem Witz werden Gedächtnisnischen auch aus neuropsychologischer Sicht abgetastet. Finde Bienen, Hirne, Papiere. Finde Fürchte, Fürsorge, Erbangst. Finde Laborprotokolle, Anamneseberichte, Pflegeanträge. Welche Form hält? Festhalten, Sammeln, Risse küssen.

Sprache als Alge an Land, die sich über die Ränder der Dinge ausbreitet: Worum geht es in Nea Schmidts Debütband Sprechen in Flechten? Um alles! Also um nichts? Eher um das Verwischen, um ein Verwachsen mit den Schwestern, um ungefestigte Identität, oder vielleicht um ein verflochtenes, sich ständig änderndes Sein. Sprechen in Flechten stellt sich als rastlose Denkbewegung dar, die eine poetische Position innerhalb eines anthropomorphen Verhältnisses einnimmt, in dem sich Natur spaltet, kultiviert, entfremdet, wiederbegegnet und reibt. Aus dieser Reibung entstehen Gedichte: wuchernd, das Wuchern ordnend, die Ordnung überwuchernd, usw.

Liv Thastums Debüt åben die erda gräbt Wege zu Orten, die von gewaltsamen Eingriffen in Landschaft und Sprache gezeichnet sind. Orte, die mehr als eine Sprache kennen. Es beginnt mit einem Riss. An der Jammerbugt im Nordwesten Dänemarks hat sich Geschichte in die Kalkfelsen eingeschrieben, die nun vorsichtig herausgebrochen wird. Dann kann der Abstieg beginnen, hinein in die Sagenwelt der Unterirdischen, in eine tiefere, mythische Vergangenheit an der deutsch-dänischen Grænze.Wer den Unterjordisken hinunter folgt, landet im Zukunfts und Ursprungsort der Språche selbst: dem Krustengrund.


Nea Schmidt, geb. 1995 in Leipzig / Deutschland, schreibt Lyrik, Essays und Jelly Fiction. Sie studierte Studium Individuale in Lüneburg, Literarisches Schreiben (BA) in Leipzig und Sprachkunst (MA) in Wien. 2025 gewann sie den Literaturpreis 33. Open Mike in der Kategorie Lyrik. Ihr Lyrikdebüt „Sprechen in Flechten“ erschien 2026 im kookbooks Verlag. Demnächst erscheinen der Essayband „Von den Sinnen“ und experimentelle Prosa „Teig / Jelly Fiction“ im März Verlag. Nea Schmidt ist Teil des Kollektivs fährten. Sie lebt in Leipzig und Wien.

Liv Thastum, geboren 1997 in Berlin, schreibt auf Deutsch, Dänisch und zwischen den Sprachen. Sie studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim, Biel und Berlin. Ihre Texte wurden im deutschen und skandinavischen Raum veröffentlicht und performt. 2024 war sie Preisträgerin des Wortmeldungen-Förderpreises und Lyrikfinalistin beim 32. Open Mike des Haus für Poesie, 2025 nominiert beim Literarischen März in Darmstadt. Liv Thastum übersetzt zwischen Deutsch und Dänisch. 2026 erschien ihr Debüt åben die erda bei kookbooks

Clara Cosima Wolff (*1993 in Hagen) schreibt Lyrik, Essays und Kritiken. Performances mit dem Kollektiv lyrika. Veröffentlichungen u.a. bei Sukultur, Bella Triste, Brache, Sprache im technischen Zeitalter, Ostragehege. Sie studierte Psychologie in Wien und Osnabrück sowie Literarisches Schreiben in Hildesheim und arbeitete im Projekt Poetry in the Digital Age der Uni Hamburg, wo sie ihre Dissertation zu barrieresensibler Lyrik schreibt. Sie gibt Workshops und Seminare in der poetischen Bildung. Ihr Übersetzungs-Debüt „sterben unsterben“ (meurs ressuscite, Albane Prouvost) mit dem kolleginnen.kollektiv erscheint im Herbst 2026 im KLAK Verlag. 2026 ist sie Stadtbeschreiberin in Dortmund und Stipendiatin im Künstlerhaus Edenkoben. 2026 Mitgründung von letzter verlag (letzter-verlag.de). handreichung ist ihr erster Gedichtband.

Datum

01. Okt. 2026

Uhrzeit

19:30

Preis

Eintritt frei
literaturhaus.dortmund

Ort

literaturhaus.dortmund
Neuer Graben 78, 44139 Dortmund